
Connecting mit anderen Christen
Was bedeutet eigentlich „Gemeinde“ und wie finde ich die richtige für mich?
„Es existiert niemand, der einer Insel gleicht, auf sich alleine gestellt - vielmehr ist jeder ein Teil des Kontinents, ein Teil des Ganzen.“ —John Donne, Meditation XVII
Wäre das nicht toll, einen anderen Christen an deiner Seite zu haben, der dir hilft, im Glauben zu wachsen? Andere Christen, die dir beiseite stehen in deinen Zweifeln oder einfach nur deine Probleme verstehen können? Jemand der ebenfalls sein Leben im Vertrauen und Glauben auf Gott baut?
In dem Moment, in dem du eine Beziehung zu Gott beginnst, beginnst du ebenso auch eine Beziehung mit anderen Christen. Du bist jetzt Teil in Gottes Familie und in dieser Familie gibt es keine Einzelgänger. Gott möchte nicht, dass seine Kinder als einsame Einzelkämpfer leben, sondern vielmehr als eine Einheit, verbunden miteinander und Teil einer großen Familie, auch „Gemeinde“ genannt.
In der Bibel steht, dass jeder Christ ein Teil der Gemeinde ist, auch wenn er vielleicht noch nie eine Kirche betreten hat. Die Familie Gottes übersteigt sogar die Grenzen von Kulturen oder Nationalitäten. In der Bibel können wir nachlesen, dass die Gemeinde oft als Körper von Jesus Christus bezeichnet wird, weil er der Grund ist, dass wir erettet wurden. In 1. Korinther 12 Vers 27 beispielsweise steht: „Ihr seid alle der eine Leib Christi, und jeder Einzelne von euch gehört als ein Teil dazu.“ Jeder, der ehrlich und von Herzen Jesus als seinen Herrn angenommen hat, gehört also automatisch zur Familie Gottes, dem Leib Jesu, dazu. Einfach so!
Die “perfekte” Gemeinde
Zu dem Zeitpunkt als ich Christ wurde, betrachtete ich die vielen Gemeinden und Kirchen sehr skeptisch. „Wieso sind die Predigten oft so kompliziert, dass keiner sie versteht?“, fragte ich mich. „Warum gibt es so viele verschiedene Gemeinden? Kann ich denn überhaupt glauben, was der Mann dort vorne mir sagt?“
Eines Sonntagsmorgens während des Gottesdienstes sprach mein Pastor dann über die Aufgabe der Gemeinde und sagte etwas, was mich über Jahre hinweg begleitete: „Solltest du jemals eine perfekte Gemeinde finden, dann bleib nicht länger dort. Du selbst wirst sie ruinieren, da du selbs nicht perfekt bist.“ Ich verstand plötzlich, dass ich mir meine eigene Gemeinde gemacht hatte und gegen jede Gemeinde in der ich auch nur einen einzigen Fehler sah, Vorurteile hatte. Ich bin also nicht perfekt – wie sollte ich dann erwarten, dass meine Gemeinde perfekt ist?
Die Gemeinde könnte man überspitzt auch als „Gottes Schulzentrum“ bezeichnen. Jesus möchte sie als seinen Representant hier auf dieser Erde einsetzen. In ihr sind Menschen, die immer noch auf dem Weg sind so wie Jesus zu werden, sie durchlaufen einen Prozess. Manchmal ist es sogar so, dass du in den verschiedenen Gemeinden auf Leute triffst, die noch nicht mal Christen sind, oder wenn sie es sind, die andere, höhere Prioritäten in ihrem Leben haben als den Herrn Jesus Christus.
Wir wissen jetzt also, die perfekte Gemeinde werden wir hier auf der Erde nicht finden. Trotzdem sollten wir eine Gemeinde finden, die richtig für uns ist. Vielleicht fragst du dich jetzt: „Und wie soll ich das bitteschön anfangen? Wie finde ich die richtige Gemeinde für mich?“
Vielleicht helfen dir aber auch schon die folgende Fragen ein wenig bei deiner Suche nach der richtigen Gemeinde weiter…
1. Was glaubt die Gemeinde?
Meistens hat jede Gemeinde eine Art Statement über das was sie glauben. Les es dir einfach durch und versichere dich, dass du alles verstehst und damit einverstanden bist. Solltest du noch Fragen haben, dann erkundige dich ganz einfach beim Pastor. Behalte dabei immer diesen Bibelvers im Kopf: „Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes oder gar besseres Fundament legen.“ (1. Korinther 3,11)
Dieses Fundament sollte auch im Glauben der Gemeinde sichtbar werden.
2. Fühlst du dich angenommen und herrscht eine liebevolle Atmosphäre?
Christen sollten eigentlich an ihrer Liebe für andere Menschen erkannt werden. Jesus sagte einmal: „So wie ich euch liebe, sollt ihr jeden anderen Menschen lieben. Wenn ihr das tut, werden alle erkennen, dass ihr zu mir gehört.“ (Johannes 13,34-35).
Solche eine Liebe zeigt sich in Vergebung und Ermutigung anstatt in Bitterkeit oder Nachträglichkeit - geduldig und verständnisvoll mit lieblosen Menschen zu sein.
In der Bibel selbst steht dazu: „Wichtiger als alles andere ist die Liebe. Wenn ihr sie habt, wird euch nichts fehlen. Sie ist das Band das euch verbindet. Und der Friede, den Christus schenkt, soll euer ganzes Leben bestimmen. Gott hat euch dazu berufen, als Gemeinde Jesu in diesem Frieden ein Leib zu sein.“ (Kolosser 3,14)
Wenn du auf eine Gemeinde triffst, die Liebe auf diese Art und Weise praktiziert, dann siehst du, dass Jesus in dieser Gemeinde arbeitet.
3. Wie geht die Gemeinde mit der Bibel um?
In so gut wie fast jedem Gottesdienst gibt es eine Zeit, in der der Pastor eine bestimmte Bibelstelle vorliest und darüber zu der Gemeinde spricht. Wenn du dir die Predigt anhörst, überleg dir im Stillen: Spricht er wirklich über das was in der Bibel steht, oder versucht er die Gemeinde vielmehr von seiner eigenen Meinung zu überzeugen? Wenn du die Gemeindemitglieder triffst, verschaff dir einen Überblick darüber, ob sie wirklich unterstützt werden Gottes Wort zu lesen, um es dann auch im Alltag zum Segen für andere zu leben.
4. Über was reden die Gemeindemitglieder?
Wir alle brauchen Zeit um mit anderen über das letzte Fussballspiel oder die Geschehnisse auf der Arbeit oder Universität zu reden. Es ist natürlich nicht falsch, wenn man das Bedürfnis hat, eine große Bandbreite an Dingen in unserem Leben anderen mitteilen zu wollen. Doch wenn sich die Gespräche in der Gemeinde kaum von den Gesprächen auf der Arbeit oder in der Kneipe unterscheiden, dann fehlt ein entscheidender Punkt.
Wenn ein Angelverein nicht über das angeln redet – würdest du ihm beitreten? Jesus Christus ist die größte Person des gesamten Universums! Redet die Gemeinde über ihn und ist sie von ihm angesprochen? Fühlst du eine Atmosphäre der Liebe, der Anbetung in ihren Gesprächen? Schon nach einigen Minuten im Gespräch mit anderen Menschen wirst du ein Gefühl dafür bekommen, was der wirkliche Grund für den Gottesdienstbesuch der Menschen ist: sie selbst, ihre Freunde, der Pastor… oder Gott zu begegnen, ihn zu anbeten und sich über ihn auszutauschen.
5. Ist die Gemeinde offen für Kontakt zu anderen christlichen Gemeinden oder Gruppen?
Eine Gemeinde die sich als Leib Jesu versteht, sollte bereit sein, für andere Gemeinden zu beten und sie zu unterstützen. Eine extreme Individualität ist nicht das was in der Bibel als Gemeinde dargestellt wird.
6. Mach dir selbst ein Bild!
Nachdem du einige Gemeinden besucht hast und deine Entscheidung getroffen hast, beginne aktiv auf andere zu zu gehen. Warte nicht, bis jemand auf dich zu kommt, sondern sprich andere an. Wenn du dir unsicher bist auf wen du zugehen sollst, nimm den Pastor oder den Begrüßungsdienst. Du wirst sehen wie schnell du Kontakte hast. So wie dir geht es auch anderen. Gehe mit offenen Augen in die Gemeinde und knüpfe Kontakte.
Du wirst in deiner Beziehung zu Jesus nicht wachsen, wenn du allein und einsam wie Robinson Crusoe dein Christsein lebst. Es gibt so viele Menschen, die gerne mit dir zusammen sein würden, mit dir zusammen Jesus besser kennen lernen möchten und bereit sind, dich auch in schweren Zeiten begleiten.
Lasse dich beschenken durch die Gemeinschaft mit anderen Christen!